Im Sommer 1770 ließ anhaltend kaltes und regnerisches Wetter in Mitteleuropa eine dürftige Getreideernte, also teure und hungrige Zeiten befürchten. Seit Ende Juni 1770 war weithin über Wochen hinweg ein Komet sichtbar – für die Freunde der Astronomie Anlass, ihre Beobachtungen auszutauschen, und für viele, die um ihre Nahrung bangten, eine Drohung, gegen die nur Beten half.
Der vorliegende Aufsatzband ordnet die Geschehnisse der folgenden Notzeit in weltweite Krisen ein und beschreibt die Bemühungen vor Ort, dem Hunger und dessen begleitende Krankheiten entgegenzuwirken.
Das Fenster zum Zeitabschnitt von 1770 bis 1772 erlaubt auch den Blick auf die Jahrzehnte davor und danach. Man kann das Brennglas auf die Probleme der damaligen Gegenwart richten, und man erhält einen Eindruck davon, wie sich Wandlungen im Geistesleben vollzogen und politische Umwälzungen vorbereiteten.
Inhalt
Vorbemerkung
Gerhard Hetzer und Anke Sczesny
Ursachen – Verlauf – Folgen
Die europäische Hungerkrise 1770–1772
Klima, Kultur, Katastrophe
Dominik Collet
Die Hungerkrise von 1770 als globales Ereignis
Wolfgang Behringer
Wahrnehmungen der Hungerkrise
in der periodischen Publizistik Augsburgs
Regina Dauser
Wissensproduktion als Bewältigungsstrategie?
Agrarreformerische Gestaltungsspielräume in der Republik Bern in der Krise um 1770
Lisa Kolb
Hunger und Landwirtschaft
Zusammenhänge an drei regionalen Fallbeispielen aus dem 16. bis zum 19. Jahrhundert: Mittelamerika, Oberschwaben, Irland
Frank Göttmann
Augsburg hungert
Städtisches Agieren in der Hungersnot von 1770/72
Anke Sczesny
Mit Bürokratie gegen Hunger
Über Krisenreaktionen im Schwäbischen Reichskreis
Rainald Becker
Hungerkrise, Reform und politische Krise im Frankreich der 1770er Jahre
Lothar Schilling
Administratives Handeln
Aus landesvätterlicher Obsorge
Kurbayerns Krisenmanagement in der Hungerkrise 1770–1773
Sabrina Hennig
Der gesperrte liberum comeatum
Die Reichsstadt Dinkelsbühl in den Anfängen der Hungerkrise 1770–1772
Maximilian Mattausch
Am schrecklichsten war aber der Hagel
Wie man in der Reichsstadt Memmingen auf Unwetter, Getreidemangel und Hungersnot von 1768 bis 1772 reagierte
Christoph Engelhard
Der Hunger kommt schnell wie die Post
Krisenkommunikation im Fürststift Kempten während der Teuerung 1770/71
Wolfgang Petz
Die Hungerkrise 1770–1772 in der Markgrafschaft Burgau
Phänomene, Wahrnehmungen und Reaktionen
Raphael Gerhardt
Wege durch die Hungerkrise in den Fuggerherrschaften Babenhausen und Mickhausen
Stefan Birkle und Sarah Schmid
Das Hochstift Augsburg in der Hungerkrise 1770–73
Obrigkeitliche Maßnahmen und lokales Handeln am Beispiel Bobingens
Thomas Schiegg
Nachwirken
›Der Bruch um 1770‹
Hungerkrise und Autonomieästhetik
Roman Widder
Der Blick über die Schulter
Vom Nachwirken einer Krisenerfahrung
Gerhard Hetzer
Abkürzungsverzeichnis
Autorinnen und Autoren




